Urlaub | Reisen mit Kindern

Ferien auf Sardinien mit kleinen Kindern? Das sollten Sie wissen.

Wir hatten schon so viel Schönes über Sardinien gehört. Also wollten wir mit unseren kleinen Kindern dort hinreisen. Warum wir unsere Reisepläne aber bald wieder änderten, berichten wir in diesem Artikel.

Nachdem wir einen schönen Sommerurlaub in der Toskana verbracht hatten, wollten wir im Folgejahr nach Sardinien. Über die Insel hatten wir bisher nur Positives gehört. Und so begannen wir damit, zu schauen, was man dort erleben kann und welche Orte oder Regionen sich für die Suche nach einer Unterkunft anbieten würden. Ferien auf Sardinien mit kleinen Kindern schien ein tolles Ziel zu sein.

Berichte auf GEO, der Süddeutschen und TUI machten uns zusätzlich neugierig. Sie beschrieben die Insel aufgrund der tollen Natur und den schönen Stränden als perfektes Ziel für Familien.

Der Bericht im ZDF über Sardinien

Alles klang soweit gut, bis wir über einen Bericht des ZDF über Sardinien stolperten. Dort wird über einen Truppenübungsplatz im Südosten der Insel berichtet, auf dem neben der italienischen Armee, auch NATO Truppen Munition und anderes Kriegsmaterial getestet haben. Teilweise mit furchtbaren Nebeneffekten für die in der Umgebung lebenden Tiere, auf die wir im Detail an dieser Stelle nicht weiter eingehen möchten.

Wir finden darüber hinaus noch einen weiteren Artikel in der taz von 2011. Dort heißt es:

Auf Sardinien testen Militär und Rüstungsfirmen Waffen. Anwohner sterben an Krebs, Kinder werden ohne Finger geboren.[2]

Unser Gedanke war: Sollte das oben Geschriebene wahr sein, wäre Sardinien natürlich für uns als Familie mit kleinen Kindern ein absolutes „No Go“ für uns. Beide Berichte waren jedoch schon mehrere Jahre alt. Wir wollten also unbedingt wissen, wie die Lage aktuell dort aussieht. Da wir zum Zeitpunkt dieser Urlaubsplanung über weiteren Nachwuchs nachdachten, begannen wir unsere Recherche. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse sollten eine fundierte Basis dafür bilden, um zu entscheiden, ob Sardinien weiterhin ein Reiseziel für uns sein könnte.

Wo befinden sich die militärischen Gebiete?

Zunächst lesen wir, dass sich 60% der militärischen Gebiete Italiens auf Sardinien befinden. Wir wollen nun aber genauer verstehen, um welches Gebiet es sich handelt und mit welche Gefahren man rechnen muss.

Wir finden heraus, dass es auf Sardinien zahlreiche militärische Sperrgebiete gibt[3]:

  • Poligono sperimentale e di addestramento interforze Salto di Quirra (PISQ)
    • Raketenschießplatz: Größtes militärisches Sperrgebiet (teilweise über dem Meer).
    • Auffälligkeiten: Dort wurden unter anderem von der NATO Milan-Panzer­abwehr-Raketen getestet, welche Thorium 232 (Halbwertszeit 14,05 Milliarden Jahre) enthalten. „Ähnlich wie bei Munition aus abgereichertem Uran entsteht nach dem Aufprall der Rakete ein feiner, radioaktiv und toxisch wirkender Staub, der über Nahrung, Atmung und Trinkwasser in den menschlichen Körper gelangt. Die Folgen sind schwere Gesundheitsschäden wie z.B. Lungenkrebs oder Schädigung des Erbguts.“[4]
    • Status: Nutzung aktiv.
  • Capo Teulada:
    • Truppenübungsplatz
    • Auffälligkeiten: Bei Armeeangehörigen wird über Leukemie-Fälle berichtet. Man muss somit davon ausgehen, dass hier uranhaltiger Munition eingesetzt wurde.[6]
    • Status: Nutzung aktiv.
  • Capo Frasca:
    • NATO-Luft-Boden-Schießplatz, zusammen mit dem Luftraum südwestlich von Capo Frasca, der als Luftkampf-Übungsraum genutzt wird.
    • Auffälligkeiten: Wir konnten keine Berichte hierzu finden. Da es aber ein NATO Übungsplatz ist, muss man davon ausgehen, dass auch hier radioaktive Munition getestet wurde.
    • Status: Nutzung aktiv.

Weitere militärische Gebiete

  • Cagliari:
    • Treibstofflager; Marinestützpunkt
    • Auffälligkeiten: Wir haben hierzu keine Berichte gefunden, die eine besondere Gefahr beschrieben.
    • Status: Nutzung aktiv.
  • Decimomannu:
    • Militärflugplatz
    • Auffälligkeiten: Da es sich hierbei um einen Flugplatz handelt und wir keine anderweitigen Berichte finden konnten, gehen wir davon aus, dass dieses Gebiet – bis auf den Lärm der Flugzeuge – keine besondere gesundheitliche Gefahr darstellt.
    • Status: Ehemals von NATO-Mitgliedern verwendet. Die deutsche Luftwaffe trainierte hier bis Ende 2016.[7] Inzwischen wird der Flugplatz nur noch von der italienischen Luftwaffe genutzt.
  • Insel La Maddalena:
    • Marinestützpunkt mit unterirdischem Munitionsdepot Guardia del Moro
    • Auffälligkeiten: Wir haben hierzu keine Berichte gefunden, die eine besondere Gefahr für Touristen beschrieben.
    • Status: Nutzung aktiv.
  • Insel Tavolara:
    • Fernmelde- und Abhörzentrum mit Längstwellensender, von dem aus kodierte Meldungen an getauchte U-Boote gesendet werden.
    • Auffälligkeiten: Wir haben hierzu keine Berichte gefunden, die eine besondere gesundheitliche Gefahr dieser Anlage beschrieben.
    • Status: Nutzung aktiv.
  • Capo Marrargiu/Poglina:
    • Centro addestramento guastatori. Übungsgelände für Spezialeinheiten und Geheimdienste.
    • Auffälligkeiten: Wir haben hierzu keine Berichte gefunden, die eine besondere gesundheitliche Gefahr beschrieben.
    • Status: Neben Italien nutzen auch weitere NATO-Staaten dieses Gelände.

Die Lage der militärischen Sperrgebiete auf Sardinien

Die aktuell genutzten militärischen Gebiete befinden sich sehr verteilt auf Sardinien. Daher habe ich, basierend auf den gewonnenen Informationen, eine Übersicht erstellt. Diese Grafik macht erst so richtig deutlich, wo sich die einzelnen Gebiete auf der Insel befinden. Die Übungsgebiete im Meer und in der Luft habe ich hierbei jedoch nicht berücksichtigt.

Karte Sardinien mit den militärischen Sperrgebieten
Sardinien mit den militärischen Sperrgebieten

Der Schwerpunkt der kontaminierten Gebiete liegt nach unseren Informationen hauptsächlich im südlichen Teil von Sardinien. Salto di Quirra, Capo Frasca und Capo Teulada werden in diesem Zusammenhang immer wieder genannt.

Wir lasen bei unserer Recherche, dass bei einigen Sperrgebieten in den Sommermonaten weniger Übungen durchgeführt werden. Die Beeinträchtigung durch Militärübungen in der Hauptreisezeit im Sommer sollte daher überschaubar sein. An der grundsätzlichen Belastung der genannten Gebiete ändert sich dadurch natürlich nichts.

Unser Fazit: Ferien auf Sardinien mit kleinen Kindern?

Die auf Sardinien getestete Munition hinterließ radioaktiven Staub, der Mensch und Tier, aber auch das ungeborene Leben krank macht oder entstellt. Sardinien hat sich somit – zumindest für uns als junge Familie mit kleinen Kindern – damit als Ferienziel disqualifiziert.

BereichUnsere Bewertung
Gesundheit
Sicherheit
Abwechslung
für Kinder
KommentarDie Strände von Sardinien sind traumhaft. Das Gesundheitsrisiko – besonders im Süden – ist aber für junge oder werdende Familien hoch.

Einzelnachweise:

  1. youtube/ZDF: „Sardiniens tödliches Geheimnis – Uranmunition und andere Gifte des Militärs“ vom 26.08.2012 unter: https://www.youtube.com/watch?v=HBBnw5QCFDw (abgerufen am 14.06.2019)
  2. taz.de: „Das vergiftete Paradies“ vom 22.11.2011 unter: http://www.taz.de/!5107013/ (abgerufen am 14.06.2019)
  3. wikipedia: „Poligono sperimentale e di addestramento interforze Salto di Quirra“ vom 27.05.2019 unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Poligono_sperimentale_e_di_addestramento_interforze_Salto_di_Quirra (abgerufen am 24.06.2019)
  4. IPPNW: „Milanrakete birgt gefährliche Langzeitfolgen“ vom 7.10.2014 unter: https://www.ippnw.de/no_cache/presse/artikel/de/milanrakete-birgt-gefaehrliche-langz.html#c6979 (abgerufen am 25.06.2019)
  5. il manifesto sardo: „I dibattiti sui Poligoni in Sardegna non sono graditi a Roma“ vom 1.4.2017 unter: https://www.manifestosardo.org/i-dibattiti-sui-poligoni-in-sardegna-non-sono-graditi-a-roma/“ (abgerufen am 25.06.2019)
  6. SWR2 Wissen: „Verseuchtes Paradies Die NATO als Umweltsünder“ vom 13.4.2012 unter: https://www.swr.de/-/id=11156212/property=download/nid=660374/tnyhr0/swr2-wissen-20130423.pdf (abgerufen am 25.06.2019)
  7. Interessensgemeinschaft Deutsche Luftwaffe e.V. „Last Call – Abschiedskommando auf Sardinien“ unter: http://www.idlw.de/last-call-abschiedskommando-auf-sardinien (abgerufen am 26.06.2019)

3 Kommentare

  1. Wenn ich diesen Bericht lese, assoziiere ich ihn sofort mit einem in Deutschland geprägten Begriff: „german Angst“!

    Ich bin ein deutscher Staatsbürger (geboren in Hannover) und habe einen sardischen Elternteil. Seit fast fünfzig Jahren bin ich regelmäßig auf Sardinien und kann euch Informationen geben, die nicht auf irgendwelchen wagen Berichten aus Zeitungen und dem Internet beruhen.

    Auf Sardinien ist das Leben wesentlich gesünder als im dichtbesiedelten Deutschland, die Natur ist überwältigend schön, die Menschen freundlich und das Essen ursprünglich, natürlich und gesund. Die meisten Hundertjährigen (global betrachtet) leben in einer Region Japans und auf Sardinien (in den blauen Zonen).

    Es gibt eine einzige Ausnahme: Haltet euch von der Region „Salto de Quirra“ fern. Da wurde tatsächlich mit gefährlicher Munition gearbeitet! Alle anderen Gebiete sind völlig unbedenklich und eurer Gesundheit eher zuträglich.

    Fazit: Wer Sardinien nicht erlebt, verpasst etwas im Leben.

    1. Hallo Marco
      Ich muß Dir Recht geben, daß Sardinien eine super Insel ist und nur das Gebiet um Salto di Quirra nicht zu empfehlen ist. Ich habe selbst 5 Jahre auf dem Flugplatz in Decimomannu gearbeitet und kenne die Gegend. Wir ziehen dieses Jahr deshalb in die Nähe von Olbia und wir freuen uns drauf.

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