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Grindsted, Südjütland, Dänemark – Lohnt sich ein Abstecher von Billund aus?

Grindsted – lohnt es sich? Bei der Recherche unseres Artikels über Ferien in Henne Strand, wurden wir darauf aufmerksam, dass das Grindstedværket (Grindsted Chemie Werk) nicht nur dort für eine riesige Umweltverschmutzung gesorgt hat. Auch die Stadt Grindsted selbst ist davon betroffen. Da die Stadt Grindsted nahe an Billund liegt, was insbesondere durch den Freizeitpark Legoland Reiseziel vieler Familien mit kleinen Kindern ist, wollen wir unsere Erkenntnisse hierzu in diesem Artikel zusammenfassen und die Frage beantworten: Lohnt sich ein Abstecher nach Grindsted?

In den 1960er Jahren genehmigten die Behörden dem Grindstedværket in Grindsted, sein giftiges Abwasser aus der Produktion von Medikamenten direkt in die Natur zu leiten. Zunächst erfolgte diese direkt in den Fluss Grindsted Å, später dann in die Kærgård Klitplantage bei Henne Strand. 1972 erhielt das Grindstedværket sogar die Genehmigung, seine chemischen Abfälle direkt in der Nordsee zu deponieren. Erst 1983 begann ein Umdenken, nachdem das Grindstedværket illegal chlorhaltige Abfälle ins Meer entsorgt hatte.[2]

Über die Kærgård Klitplantage haben wir bereits in einem früheren Artikel geschrieben. Wir wollen uns in diesem Artikel auf die Folgen in der Stadt Grindsted fokussieren.

Das Grindsted-Chemiewerk

Das Grindsted-Chemiewerk entsorgte in der Zeit zwischen 1924 und 1970 Chemieabwasser und Abfälle an vier Stellen in der Stadt Grindsted, die bis heute das Grundwasser, sowie den Fluss Grindsted Å belasten.[1]

Als erste Quelle für Verschmutzungen ist das Fabrikgelände des Grindstedværket zu nennen. Genaue Untersuchungen wurden hier jedoch noch nicht durchgeführt, da diese Fläche immer noch aktiv von DuPont, dem heutigen Besitzer dieses Chemiewerks, verwendet wird. Hier wurden aber bereits Reste von Lösungsmitteln, Feststoffen und Barbituraten gefunden, die das Grundwasser in südwestlicher Richtung vom Werksgelände belasten.[2]

Nördlich hiervon befindet sich ein Eisenbahndepot. Dort wurden Quecksilber und Chemikalien entsorgt, sowie Substanzen aus der betriebseigenen Kläranlage. Man geht von rd. 27 Tonnen Schadstoffen aus.[2] 2012 deckten Arbeiter die Lagerstätte mit einer Membran, sowie einem halben Meter Erde ab und bepflanzten diese mit Sträuchern. Seit Herbst 2018 stehen dort Schilder, dass das Gebiet dennoch nicht betreten werden darf, da weiterhin Chemikalien ausdünsten.[3]

Die dritte Verschmutzungsquelle ist der Entwässerungsgraben vom Werk zum Fluss Grindsted Å. Zwischen 1924-1960 lief das Abwasser dort direkt über einen offenen Graben in den Fluss Grindsted Å. Bis 1951 wurde das Abwasser vor der Einleitung nicht gereinigt.[1] Ab 1960 wurden dann Rohre verlegt, so dass ab dann zumindest das Gebiet bis zum Fluss nicht weiter verschmutzt wurde.[2]

85’000 Tonnen Abfälle aus dem Chemiewerk auf der Mülldeponie

Die vierte Quelle ist die alte Deponie der Stadt südlich von Grindsted. Diese war zwischen den 1930er Jahren und 1977 in Betrieb. In der Zeit von 1962 bis 1970 wurden ca. 85’000 Tonnen feste Abfällen und Schlamm aus dem Grindstedværket dort abgelagert. Die Chemikalien sickerten ins Grundwasser und breiten sich hierüber in nordwestlicher Richtung aus.[1]

Die folgende Karte habe ich auf Basis der im Internet verfügbaren Informationen erstellt. Sie zeigt die Orte der Verschmutzung und die Ausbreitung des verschmutzten Grundwassers gemäß Modellberechnung von 2016[1]:

Lage der Verschmutzung Grindsted
Übersicht der Grundwasser-Verschmutzung in Grindsted

Vom Fluss Grindsted Å quer durch Südwest-Jütland bis in die Nordsee

2018 ergab sich aus Messungen der DTU (Technical University of Denmark), dass jedes Jahr 235 kg Vinylchlorid im Grindsted-Fluss und weiter in den Varde-Fluss abfließen.[5] Der Fluss Varde fliesst dann im Städtchen Varde, 15 km nördlich von Esbjerg, in die Nordsee.

Verlauf Grindsted Å, der über den Fluss Varde Å in die Nordsee fließt
Verlauf Grindsted Å, der über den Fluss Varde Å in die Nordsee fließt.

Der höchste gemessene Gehalt an Vinylchlorid im Fluss Grindsted Å betrug 2011 21 μg/l (Dänisches Kriterium für gute Wasserqualität: 0,05 μg/l), was einer Überschreitung des Grenzwerts für eine gute Wasserqualität um den Faktor 420 entspricht.[6] Angeln zum Verzehr ist somit in Grindsted Å, der über den Fluss Varde Å in die Nordsee fließt, aus unserer Sicht nicht zu empfehlen, auch wenn dies erlaubt ist.[7]

März 2019: Der Staat übernimmt Verantwortung und kümmert sich um die schlimmsten Gebiete

Die dänische Regierung und die dänische Volkspartei vereinbarten im März 2019 600 Mio. DKK (ca. 80,3 Mio. Euro) in die Beseitigung der Bodenverschmutzungen zu investieren. Hierbei werden per 2019 ca. 20 Mio. Euro in das Erbe des Grindstedværket in der Stadt Grindsted, sowie die Kærgaard Klitplantage gesteckt. Weitere 20 Mio. Euro fließen in die Bekämpfung der Verschmutzung durch Cheminova in Harborøre Tange (Høfde 42 und Fabrikgelände).[8] Wer sich über dieses und die 59 weiteren größten Verunreinigungen informieren möchte, kann dies im Bericht des Center for Regional Udvikling „DE 61 STORE FORURENINGER“ (in dänischer Sprache) tun.[9]

Fazit

Grindsted – lohnt es sich? Das Grindsted Werk hat sehr viele Altlasten hinterlassen, die auch heute noch nicht beseitigt sind. Als Familie würden wir nicht nach Grindsted reisen und meiden die Gebiete wie Henne Strand oder Varde und Esbjerg. Ein Licht am Ende des Tunnels scheint mit den neuen Anstrengungen der dänischen Regierung erkennbar. Jedoch wird es noch Jahrzehnte dauern, bis die verunreinigten Gebiete wieder frei von den giftigen Schadstoffen sind. Billund mit Legoland befinden sich östlich von Grindsted und liegen somit auch nicht im belasteten Gebiet. Grindsted lohnt sich somit nicht.

Einzelnachweise:

  1. Region Syddanmark: „Grindsted By“ vom 25.05.2018 unter: https://rsyd.dk/wm207660 (abgerufen am 10.05.2019; übersetzt ins Deutsche)
  2. Wikipedia: „Grindstedværket“ unter: https://da.wikipedia.org/wiki/Grindstedværket (abgerufen am 10.05.2019; übersetzt ins Deutsche)
  3. tvs: „Nye skilte advarer om forureningen i Grindsted“ vom 24.10.2018 unter: https://www.tvsyd.dk/artikel/ny-skilte-advarer-om-forureningen-i-grindsted
  4. Region Syddanmark: „Forbedret grundvandsmodel (jan. 2016)“ vom 26.03.2018 unter: https://rsyd.dk/wm507846 (abgerufen am 10.05.2019; übersetzt ins Deutsche)
  5. Alectia: „Grindsted forureningskortlægning“ vom 04.11.2015 unter: https://rsyd.dk/dwn514069 (abgerufen am 10.05.2019; übersetzt ins Deutsche)
  6. Miljøministeriet: „Vurdering af påvirkning af Grindsted Å og Grindsted Engsø fra jordforureningerne fra Grindstedværket“ vom 02.02.2011 unter: https://www.rsyd.dk/dwn149250 (abgerufen am 10.05.2019; übersetzt ins Deutsche)
  7. Visitwestdenmark: „Varde Å“ unter: https://www.visitwestdenmark.de/de/varde-gdk609635 (abgerufen am 10.05.2019)
  8. Dänisches Finanzministerium: „600 millioner kroner til oprydning af de mest komplekse forureninger“ vom 24.03.2019 unter: https://www.fm.dk/nyheder/pressemeddelelser/2019/03/600-millioner-kroner-til-oprydning-af-de-mest-komplekse-forureninger
    (abgerufen am 15.05.2019; übersetzt ins Deutsche)
  9. Center for Regional Udvikling: „DE 61 STORE FORURENINGER“ vom 21.07.2016 unter: http://www.tv2lorry.dk/files/store_forureninger.pdf
    (abgerufen am 15.05.2019; übersetzt ins Deutsche)

Erstveröffentlichung: 02.06.2019
Letztes Update: 20.08.2020

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